Portrait einer Sozialdemokratin

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Redebeitrag-Einbürgerungsfeier Landratsamt Karlsruhe

Margareth Lindenberg hätte den deutschen Pass schon vor Jahrzehnten in Händen halten können. Doch weil sie sich nicht dem Vorurteil aussetzen wollte, sie habe nur deshalb einen Deutschen geheiratet, um hier im Land bleiben zu können, entschied sich zunächst bewusst dagegen.

Die Sulzfelderin, die am 5. Februar im Rahmen einer Einbürgerungsfeier von Landrat Christoph Schnaudigel offiziell im deutschen Staat willkommen geheißen wird, verschlug es bereits vor über 20 Jahren ins Badische. Geboren wurde sie 1966 aber in Recife – einer Millionenstadt an der brasilianischen Atlantikküste.
Dort wuchs sie als Tochter eines Beamten und einer Grundschuldirektorin auf, erlernte den Beruf der Bankkauffrau und studierte Soziologie. Auf die Heimat ihres Großvaters war sie stets neugierig gewesen. Mit 25 Jahren durfte sie ihre älteste, mittlerweile in Karlsruhe lebende Schwester das erste Mal besuchen. Und wollte gar nicht mehr zurück. Sie lernte ihren Ehemann kennen, den sie 1993 ehelichte.
 
Seit damals hätte sie offiziell die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen können, doch aus den bekannten Gründen zögerte sie. Wichtiger waren zunächst auch andere Dinge. „Als ich hier ankam, konnte ich kein Wort Deutsch sprechen“. Also erwarb sie ein Sprachdiplom am Münchener Goethe-Institut. „Damit fühlte ich mich gleich viel sicherer.“ Denn mit ihren neuerworbenen Sprachkenntnissen konnte sie nicht nur soziale Kontakte knüpfen, sondern sich auch beruflich weiterentwickeln. Seit nunmehr 15 Jahren arbeitet sie bei der Oberderdinger Firma Blanco. Als Gewerkschaftsmitglied, Betriebsrätin und Integrationsbeauftragte ist sie weit über das normale Maß hinaus engagiert.
Als Margareth Lindenberg und ihr Mann vor fünf Jahren nach Sulzfeld zogen und dort bauten, war für sie, die sie aus einer Millionenmetropole stammte und in Karlsruhe immer noch großstädtische Luft hatte schnuppern können, der Wechsel in ein kleines Viereinhalbtausend-Seelen-Dorf zunächst einmal eine große Umstellung gewesen. „Doch ich fühlte mich hier geborgen, lernte in kurzer Zeit viele Leute kennen.“
Im SPD-OrtsvereinSulzfeld fand sie dann auch ihre politische Heimat – zunächst noch als Gastmitglied, denn Margareth Lindenberg prüft alle ihre Entscheidungen sehr genau. Als man aber schließlich an sie herantrat, ihr gar eine Kandidatur für die anstehenden Wahlen vorschlug, da fällte sie ihren Entschluss: „Ich werde Deutsche!“ – nach 20 Jahren. „Es war für mich schlimm, einfach unerträglich geworden, nicht wählen zu dürfen und vom politischen Geschehen ausgeschlossen zu sein“, sagt sie rückblickend. Mit dem deutschen Pass in der Tasche, der ihr weit mehr bedeutet als das bloße Stück Papier, kandidiert sie nun sowohl für den Sulzfelder Gemeinderat als auch für den Kreistag und will „unsere Gesellschaft in eine soziale Richtung bewegen“.
Was die Integration betrifft, darüber hat Margareth Lindenberg nie viel nachgedacht, sondern es einfach getan. Der Erwerb der deutschen Sprache war ein erster, wichtiger Schritt. Ihr soziales und politisches Engagement waren weitere Wegmarken.

Text von Michael Klebon - BNN

 
 

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